Lana und seine Industriezone.
Neue Wege für die Zukunft. Ein Innovationsprojekt mit Pilotcharakter für Südtirol.
In der Industriezone Lana ist derzeit ein umfassendes Projekt in Umsetzung. Das Projekt wird von der Marktgemeinde Lana getragen und vom Industriellenverband, der Interessengemeinschaft Industriezone Lana und dem Europäischen Sozialfonds unterstützt. Beteiligt sind 45 Betriebe in der Zone, die zwar aus unterschiedlichen Sparten kommen, aber eine Zielsetzung haben: ihren Betrieb mit System zu entwickeln und erfolgreich zu führen. Die Gemeinde hat das Interesse den Standort Lana zu sichern, zu entwickeln und den Betrieben dadurch optimale Rahmenbedingungen zu stellen.
45 Unternehmen zählt die Zone und gut 850 Beschäftigte finden Arbeit. Mit gut 170 Mrd. Umsatz bringt die Industriezone Lana eine Wertschöpfung von 50 Mrd. Lire. Diese werden vor allem außen erwirtschaftet und fließen in den Wirtschaftskreislauf von Lana und Südtirols ein. Eines der wichtigen Standbeine von Lana und des Burggrafenamtes also. Es gibt Dinge die können in den Betrieben erledigt werden, andere als Zonengemeinschaft. Wichtig ist es einen derart bedeutenden Standort von Zeit zu Zeit neu zu sichern. Das haben wir mit dem Projekt "Zone Lana. Zukunft" nun vor.
Seit den 70er Jahren hat sich vieles verändert: die damals entstandene Zone hat sich gefüllt, entwickelt und diversifiziert. Sehr verschiedene Unternehmungen sind vorhanden: die einen vor allem technologieorientiert, die anderen im Druck und Grafikbereich, weitere in der Lebensmittelverarbeitung und viele auch in Dienstleistungsbereichen. Sicher ist, dass sie großteils sehr positiv wirken, dass andererseits nach 30 Jahren der Zeitpunkt reif ist über die eigene Entwicklung und die Entwicklung als Zone neu nachzudenken.
Auch die Rahmenbedingungen haben sich entscheidend verändert: Südtirol ist auch ein Industriestandort geworden, das Zusammenwachsen des europäischen Marktes und die bedeutend gesteigerte Mobilität bringen neue Exportmöglichkeiten und Vertriebschancen, aber auch einen gesteigerten Konkurrenzdruck für unsere Unternehmen. Mit dem Euro kommt eine große Möglichkeit eines unmittelbaren Preisvergleichs und damit werden die Unternehmungen noch mehr auf Qualität setzen müssen, um zu bestehen.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse zu steigern: einmal durch effiziente Produktionsabläufe, Einkäufe und vor allem Mitarbeiter und zum anderen durch zusätzliche Leistungen des Produkts oder der Dienstleistung und damit höhere Preise.
In Lana will man vor allem auf die Entwicklung der Mitarbeiter setzten. Diese sind der zentrale Faktor in jedem Unternehmen. Und wie Porschechef Wendelin Wiedeking meint: "Die Qualifizierung der Mitarbeiter die die Schlacht entscheidende Größe. Natürlich sind die Arbeitskosten essentiell. Aber wir haben in den letzten Jahren gelernt, viel effizienter zu werden. Jedes Jahr holen wir 6 bis 8% mehr Produktivität aus dem Unternehmen heraus. Das kommt auch unseren Kunden zugute". Wiedeking muss es wohl wissen. Der schwäbische Autochef hat eine glänzende Bilanz: 4-mal so viele verkaufte Autos, 5-mal soviel Gewinn und einen 25-mal höheren Börsenkurs.
Sicher, wir sind nicht Porsche. Das Prinzip aber ist dasselbe und davon können wir lernen. Deshalb werden wir in unserem Projekt vor allem:
- die Entwicklung der Mitarbeiter und somit die Weiterbildung erfassen. Wir möchten versuchen Firmenpläne für die Weiterbildung aber auch eine Weiterbildungsplattform und -servicestelle für die Zone zu konzipieren und auf die Beine zu stellen,
- die Technologieorientierung und Zusammenarbeitsfelder für die Unternehmen untereinander herauszuarbeiten und durch Projekte umzusetzen, (in der Fachsprache als Technologie-Cluster bekannt z.B. Silikon Valley oder Licht-Cluster-Österreich uam.),
- den Bedarf an "neuen Berufen" in der Zone, in Lana und im Burggrafenamt festzustellen, zu erschliessen und zu entwickeln (damit sichern wir den Standort auch im Zeitalter der Informations-Technologien Internet usw.),
- den Entwicklungsbedarf der Betriebe an Flächen zu ermitteln und eine darauf aufbauende Entwicklungsstrategie und einen Plan für die Entwicklung der Einzelnen und der ganzen Zone herzustellen und
- auch gemeinsame Leistungen zu erschliessen, die im Einkauf von Telefon und Datenübertragung, Strom und Energie, Software und Dienstleistungen bestehen sollen.
Ein anspruchsvolles Unterfangen also, das eine gründliche Recherche, Fachkompetenz und Organisationskompetenz voraussetzt. Deshalb hat die Gemeinde in enger Zusammenarbeit mit der Zone und dem Industriellenverband, sowie in Abstimmung mit den betroffenen Landesabteilungen ein Team von Experten zusammengestellt, das unter der Leitung des Vinschger Leader Koordinator Helmut Pinggera steht, ein Projekt ausgearbeitet, das nunmehr durch die Landesregierung im Rahmen des ESF-Programms zur Umsetzung kommt.
Das Expertenteam wurde nach Kenntnissen und Erfahrungen zusammengestellt: das ist einmal der in der Gestaltung, Planung und Organisation von Zonen erfahrene Ingenieur Roman Bodner dabei, der den Gewerbepark in Brixen konzipiert und realisiert hat, dann Mag. Christian Haberfellner, der in Nordtirol die Clusterentwicklung aufgebaut und dort konkrete Erfolge vorweisen kann und der auch fachlicher Berater des CAN-Südtirol Programms ist, das demnächst startet und sich mit Cluster und Informationstechnologien beschäftigt.
Dem Team gehört weiters Marco Repetto vom CTM, der Management-Entwicklungsabteilung des Industriellenverbandes an, der gemeinsam mit Stefan Wedra, einem erfahrenen Personal- und Kommunikationsentwicklers die Weiterbildung erfasst und formuliert. Für die neuen Berufe konnte das Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer (WIFO) gewonnen werden, eine in der Innovation und Feldforschung als exzellent bekannte Institution, wo Irmgard Lantschner die Arbeitsgruppe führt.
Zur Zeit sind die Erhebungen in den 45 Firmen im Gange. Erste Zwischenergebnisse liegen vor. Gut 30 Firmen haben aktiv ihre Mitarbeit bestätigt und sich schriftlich für die Durchführung des Projektes ausgesprochen, das die Gemeinde als Trägerschaft durchführt. Die Ergebnisse können bis Ende März erwartet werden, so ist es geplant.
Danach kommt der kritische Teil. Die Umsetzung: diese bedeutet, Änderungen am Bauleitplan, strukturelle Verbesserungen an der Zone, Aufbau und Erschließung der technologischen Cluster, Planung und Umsetzung einer Weiterbildungsservice-Einheit und Weiterbildungsplan für das 2.te Quartal 2002, die Vereinbarungen über gemeinsame Dienstleistungen und eine Aktion zur Erschließung der neuen Berufe.
Eine Reihe von Zielen also, die aber in der Summe sowohl die materiellen, als auch die immateriellen Rahmenbedingungen setzen sollen, die für die Entwicklung effizienter Betriebe erforderlich sind. Die Zone funktioniert wie ein Uhrwerk. Nur wenn jedes Rädchen seine richtige "Tarierung" hat, wird die Uhr immer präzise die genaue Zeit anzeigen können. Damit wollen wir alle gemeinsam einen Beitrag dazu leisten, dass die Betriebe, die Zone und der Standort Lana und vielleicht auch Südtirol, indem das Beispiel Schule macht -, auch in den nächsten 30 Jahren gesichert und erfolgreich sein kann.
Dr. Helmut Pinggera, Projektleiter "Zone Lana Zukunft"

